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Schweiz 2005/2006, 75 min., Farbe + s/w
Format: DVD. 5.1. Mix, 16:9
OF mit dt./engl. frz./span. UT
Buch und Regie: Gitta Gsell
Kamera: Hansueli Schenkel
Schnitt: Kamal Musale/Gitta Gsell
Musikalische Beratung: Juliana Müller
Ton: Dieter Meyer
Sprecher: Gilles Tschudi
Sound Design: Christian Beusch
Produzentin: Franziska Reck
Produktion: Reck Filmproduktion Zürich
Co-Produktion: Mirapix, SRG Idée Suisse
Musik: Irène Schweizer
feat. Joëlle Léandre (b), Maggie Nicols (voice), Co
Streiff (p), La Lupa (voice), Pierre Favre (dr, perc), Louis Mohol
(dr), Hamid Drake (dr), Fred Anderson (sax), Han Bennink (dr),
Jürg Wickihalder (sax)
Konzertorte:
Jazzfestival Willisau, Café Casablanca (Zürich), Museum
zu Allerheiligen (Schaffhausen), ICMF (International Classic Music
Festival of South Africa, Kapstadt), Jazzfestival Nickelsdorf,
Uncool Festival (Le Prese), Jazzclub Moods (Zürich), Sorell
Hotel (Zürichberg), JazzFest Berlin
Musik ist ihr Leben, das wusste Irène Schweizer schon
als Zwölfjährige. Das sensible Portrait von Gitta Gsell
zeigt die eigenwillige, international bekannte schweizer Jazzmusikerin
und Pionierin der Improvisierten Musik, die aktiv an den grossen
politisch-kulturellen Veränderungen der letzten 50 Jahre
teilgenommen hat.
Die Suche nach ihrem eigenen musikalischen Ausdruck sowie der
Mut, sich von festgefügten musikalischen Normen frei zu machen
und sich nicht an konventionellen Standrads messen zu lassen (musikalischen,
ideologischen, geschlechtsspezifischen), charakterisieren bis
heute ihre künstlerische Arbeit.
"Dort steht er, der Flügel, und erwartet sie. Eine
Frau, die seit über 40 Jahren den Flügel ihren Begleiter
nennt, Freud und Leid mit ihm teilt, von ihm inspiriert wird und
diese Inspiration mit ihm auslebt. Freundschaften und Beziehungen
mussten sich immer einen Platz neben der Musik erkämpfen,
zwischen den Terminen im Ausland, zwischen Proben, zwischen Inspiration
und Kreation. Immer war es die Musik, die zu Höhenflügen
inspirierte, manchmal gefolgt von tiefer Einsamkeit. Musik war
und ist ihr Leben.
Ich weiß nicht mehr genau, wann ich Irène zum ersten
Mal spielen hörte. Ich weiß nur noch, dass ich begeistert
war. Sie ist in der Schweizer Jazzszene eine Ausnahme - eine Instrumentalistin.
In den 50er Jahren haben Frauen vor allem gesungen; Irène
hat bereits als junge Frau einen ersten Preis als Pianistin am
Amateurjazzfestival in Zürich erhalten. Die Stimmungen in
den verrauchten Jazzlokalen der 50er und 60er Jahre, die politische
Aufbruchstimmung in den 68ern und die Frauenbewegung in den 80er
Jahren, haben mich fasziniert. Irène improvisierend am
Klavier: Ellbogen auf Tasten, hämmernde, schleifende Finger
hacken und sausen darüber. Im Innern des Flügels zerrt
und zupft sie an den Saiten.
Mit ihrer Biographie und ihrer alternativen Lebenshaltung ist
Irène in der Schweiz eine Ausnahmeerscheinung. Sie hat
mich als kreativ arbeitende Frau interessiert und inspiriert,
diesen Film zu machen. Gut zehn Jahre
älter als ich, ist sie für mich auch eine Vorreiterin
in der Frauenbewegung und eine der wenigen weiblichen Figuren
in der kreativen Schweizer Szene - im Jazz verwurzelt und mittlerweile
einzuordnen im Instant Composing und in der improvisierten Musik,
international bekannt." (Gitta Gsell)
IRÈNE SCHWEIZER
Geb. 2. Juni 1941 in Schaffhausen, hat in ihrer Geburtsstadt begonnen,
Jazz zu spielen. Ende der 50er Jahre tritt sie mit den Modern
Jazz Preachers auf. 1960 gewinnt sie mit der Combo den ersten
Preis beim Zürcher Amateur Jazz Festival.
Von 1961-63 lebt sie in Bournemouth und London; gründet nach
ihrer Rückkehr in die Schweiz ihr eigenes Trio mit Mani Neumeier
(dr) und Uli Trepte (b), mit dem sie regelmäßig im
Jazzcafé Africana auftritt. Erste Begegnung mit Champion
Jack Dupree, Dollar Brand, Dudu Pukwana, Chris McGregor, Johnny
Dyani, Louis Moholo, Mongezi Feza.
Ende der 60er Jahre öffnet Irène Schweizer ihr Spiel.
Anfangs ist die Freejazz-Bewegung afro-amerikanischer Prägung
ihr Vorbild. "Als ich Cecil Taylor nachstrebte und ihn dann
1966 live in Stuttgart hörte, war ich völlig fertig.
Ich habe ernsthaft erwogen, mit dem Klavierspielen aufzuhören".
Nach dieser Erfahrung begibt sich Irène Schweizer auf die
Suche nach ihrer eigenen Musik.
"Im gleichen Jahr, 1966, fand die erste wichtige Begegnung
mit den deutschen Kollegen statt. Wir spielten am Newcomer Jazzfestival
in Frankfurt und lernten Peter Brötzmann, Peter Kowald, Manfred
Schoof, Albert Mangelsdorff, Gunter Hampel kennen. Wir knüpften
Kontakte und schmiedeten Pläne für neue Projekte."
Die 70er Jahre sind die Berliner Jahre von Irène Schweizer.
Sie ist regelmäßig beim TOTAL MUSIC MEETING zu hören
(zuletzt 2004 im Duo mit Louis Moholo) und veröffentlicht
erste Solo-Platten sowie Aufnahmen mit Rüdiger Carl und Louis
Moholo.
Mitte der 70er Jahre lernt Irène Schweizer die britische
Musikerin Lindsay Cooper kennen. Aus diesere Bekanntschaft entsteht
die legendäre Frauenband ´ Feminist Improvising Group´
mit Lindsay Cooper, Maggie Nicols, Goergie Born und Irène
Schweizer.
Die Zusammenarbeit mit Musikerinnen wird nun ein wichtiger Teil
der künstlerischen Arbeit von Irène Schweizer. Wie
kaum eine andere Persönlichkeit prägt Irène Schweizer
die musikalische Frauenbewegung. 1983 gründet sie die ´European
Women´s Improvising Group´.
Seit den 90er Jahren spielt sie regelmäßig im Trio
´Les Diaboliques´ mit der britischen Vokalistin Maggie
Nicols und der französischen Bassistin Joëlle Léandre
oder im Duo mit der Zürcher Saxophonistin Co Streiff. 1986
beteiligte sich Irène Schweizer an der Organisation des
ersten Frauen-Jazzfestivals in der Schweiz (Canaille-Festival,
Rote Fabrik, Zürich).
Irène Schweizer ist sowohl Mitbegründerin des Taktlos
Festivals sowie des Jazzlabels Intakt Records, das seit den 80er
Jahren die Musik der Pianistin veröffentlicht.
Gitta Gsell
geb. 1953 in Zürich. Lebte 1979-89 in New York. Seit 1990
erneut in Zürich.
1977-79 Schule für Experimentelle Gestaltung (Zürich);
1980-82 School of Visual Arts (New York), BA of Fine Arts; 1982-84
Hunter College (New York), MA of Fine Arts in Combined Media.
Seit 1977 Buch und Regie für Theater und Performances; seit
1981 Buch und Regie für Filme und Videos.
Filmographie
1981 Goodbye (Experimentalfilm)
1984 A.R.T. (Dokumentarfilm)
1985 Immer diese Ewigkeit (Musikfilm)
1987 Don´t Stand On the Ocean (Spielfilm)
1990 Cornelia Forster - Künstlerin (Dokumentarfilm)
Perception/Tension (Musikfilm)
1994 Uma passagem/Umgezogen (Dokumentarvideo)
1995 Lilu in der Tanzbar (Kurzfilm)
1997 Propellerblume (Spielfilm)
1999 Virus-L (Kurzfilm)
2004 Lilo & Fredi (Spielfilm)
augenblickeN (Dokumentarvideo)
2005 IRÈNE SCHWEIZER
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